Engagiert in Zürichs Nachbarschaft

Unterstützung für die Kinderbetreuung finden, Kontakt zu anderen Bewohnerinnen und Bewohnern des Quartiers pflegen und sich bei Bedürfnissen unterschiedlicher Art gegenseitig unterstützen: Bereits vor 32 Jahren entstand in Zürich-Altstetten die erste Nachbarschaftshilfe Zürichs auf Initiative der lokalen Bevölkerung. Im Gespräch mit Barbara Albrecht, der Geschäftsführerin des Fördervereins Nachbarschaftshilfe Zürich, haben wir über die Entwicklungen seit der Gründung der ersten Nachbarschaftshilfe, engagierte Menschen und Herausforderungen des freiwilligen Engagements diskutiert.

Freiwilligenarbeit

In ihren Anfängen unterstützte die Nachbarschaftshilfe Zürich vor allem junge Eltern und versuchte sie durch den Einsatz von Freiwilligen in der Kinderbetreuung zu entlasten. Im Laufe der Jahre entwickelten sich die Bedürfnisse und damit auch die Engagements der Nachbarschaftshilfe stetig weiter. Heute liegt ihr Schwerpunkt auf der Unterstützung von älteren Personen im Hinblick auf einen möglichst selbstbestimmten Alltag. Die Freiwilligen engagieren sich in ganz unterschiedlicher Weise, beim Wocheneinkauf, bei Arbeiten in und ums Haus oder sie nehmen sich auch einfach Zeit für ein gemeinsames Gespräch. «Die Freiwilligen helfen, der Vereinsamung im Alter entgegenzuwirken», meint Barbara Albrecht.

In der Tat stellt die heutige Gesellschaft und die raschen Veränderungen ältere Personen vor Herausforderungen, die sie nicht immer alleine bewältigen können. Vor allem in Bereichen der Digitalisierung leisten die Freiwilligen der Nachbarschaftshilfe wertvolle Arbeit, wenn sie ihre Hilfe beispielsweise bei der Einrichtung des neuen Telefons oder bei Computerproblemen anbieten. Hier sieht Barbara Albrecht auch eine Chance für das Quartierleben: «Die nachbarschaftlichen Engagements fördern den Austausch im Quartier. Die aktuellen Entwicklungen der digitalen Welt helfen zudem, dass auch eine Brücke zu jüngeren Freiwilligen geschlagen werden kann, da ihre Kompetenzen für gewisse Bereiche speziell gefragt sind.»

Neben der Unterstützung für ältere Personen vermittelt die Nachbarschaftshilfe auch Freiwillige, die Kindern bei den Hausaufgaben helfen, Haustiere betreuen oder bei handwerklichen Arbeiten unter die Arme greifen. Die Vielseitigkeit der Einsatzmöglichkeiten widerspiegelt sich auch in den Engagierten selber, die sich für andere in ihrem Quartier zur Verfügung stellen. Personen mit unterschiedlichsten beruflichen und sozialen Hintergründen aus allen Altersgruppen setzen sich für ihre Nachbarschaft ein. Zwischen den einzelnen Quartieren zeigen sich dabei auch immer wieder spannende Unterschiede. Während beispielsweise in den Kreisen 3, 4 & 5 tendenziell jüngere Personen Einsätze leisten, sind in anderen Quartieren vor allem pensionierte Zürcherinnen und Zürcher als Freiwillige unterwegs.

Freiwilligenarbeit

«Vielen Freiwilligen geht es darum, ihre vorhandene Zeit sinnvoll einzusetzen», begründet Barbara Albrecht deren Einsatz. Aber auch der Einblick in andere Berufsfelder oder das Einrichten einer Wochenstruktur bei erwerbslosen Personen seien wichtige Gründe für die Engagements. Diese intrinsische Motivation ist ein wichtiges Element der Nachbarschaftshilfe, denn finanziell werden die Freiwilligen nicht entschädigt. Gelegentlich wird ihr Einsatz aber bei einem kleinen Essen, einem Apéro oder mit einem gemeinsamen Ausflug gewürdigt, meist organisiert durch die lokalen Freiwilligenkoordinatorinnen und -koordinatoren der einzelnen Quartiere.

Die Koordinatorinnen und Koordinatoren sind die Dreh- und Angelpunkte der Quartierarbeit. Sie führen Erstgespräche mit neuen Freiwilligen und führen diese in die Tätigkeiten der Nachbarschaftshilfe ein, vermitteln die Einsätze in den unterschiedlichen Aufgabengebieten und sind letztlich auch Ansprechpartner für Personen mit Unterstützungsbedarf. Das Finden von neuen Freiwilligen und die Öffentlichkeitsarbeit in den einzelnen Quartieren seien dabei die grössten Herausforderungen, so Barbara Albrecht. In den letzten Jahren hätten sich die Bedürfnisse der Freiwilligen verändert und diese gelte es zu Beginn eines Engagements gut abzuholen. Viele Leute möchten sich gerne projektbezogen und klar terminiert engagieren, das sei in den bestehenden Strukturen der Nachbarschaftshilfe nicht immer einfach. Denn oftmals suche sie Freiwillige für ein längerfristiges Engagement, beispielsweise bei der Haushaltsunterstützung für eine ältere Person.

Freiwilligenarbeit

Trotz diesen Herausforderungen ist sie gerne in ihrem Arbeitsfeld aktiv und fördert das freiwillige Engagement in der Stadt Zürich. Und das sei auch wichtig: «Unser Sozialsystem hat Lücken. Die Freiwilligenarbeit kann diese Lücken füllen und ein feineres, persönlicheres Netz knüpfen. Darüber hinaus schaffen wir Begegnungen zwischen den Generationen und Kulturen.» Insbesondere für neu zugezogene Personen aus dem In- und Ausland biete die Nachbarschaftshilfe eine Möglichkeit, Anschluss an eine lokale Gemeinschaft zu finden.

Zum Schluss haben wir Barbara Albrecht gefragt, wo sie denn die Zukunft des freiwilligen Engagements sehe. «Vor der eigenen Türe.» Freiwilliges Engagement könne dadurch gefördert werden, dass sich jede und jeder Einzelne im Quartier einsetze, und über die Erfahrungen in Freundes- und Familienkreisen spreche. Als Vorbild für das eigene Umfeld.


Barbara Albrecht engagiert sich seit vielen Jahren für das freiwillige Engagement in Zürichs Quartieren. Zuerst war sie von 2003 bis 2015 als Koordinatorin für die Nachbarschaftshilfe Affoltern im Einsatz. Parallel startete sie ab 2007 als Assistentin der Nachbarschaftshilfe Zürich und leitet nun seit 2009 deren Aktivitäten als Geschäftsführerin.

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Die Nachbarschaftshilfe Zürich hat sich als allererste Netzwerkpartnerin hinter die Idee von «Five up» gestellt und mit zahlreichen Inputs aus ihren eigenen Erfahrungen die App aktiv mitgestaltet. Wir freuen uns, auch in Zukunft auf die Unterstützung der Nachbarschaftshilfe zählen zu dürfen.

Mehr zu den Aktivitäten der Nachbarschaftshilfe Zürich: www.nachbarschaftshilfe.ch

Lukas Streit